Mittwoch, 19. Februar 2014

So wird uns die Energiewende im Wohnungsbau vermiest ...

Die Energiewende.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht Neuigkeiten über die Energiewende erfahren. Häufig wird  von energetischen Sanierungen berichtet, von Wärmedämmung und immer öfter taucht Contracting im Wohnungsbau auf ...

Die Berichterstattung erscheint mir manchmal einseitig, es wird viel von Skandalen, Kosten für den Verbraucher und von schief gelaufenen Projekten berichtet. Doch warum wird so selten über das eigentliche sehr sinnvolle Ziel, die positiven Entwicklungen gesprochen?
Und was ändert sich für die Verbraucher, Nutzer und Bewohner durch das Ziel der Politik die CO2-Emmissionen  und den Energieverbrauch in Gebäuden zu senken?

Klar ist, dass wir vor massiven Veränderungen stehen: Durch den Einsatz moderner Technik, wie z.B. Elektronische Steuerungen, Niedersttemperaturheizungen, müssen wir uns mehr mit dem Thema der Beheizung auseinandersetzen, müssen Neues Lernen; durch die mittlerweile vorgeschriebene Luftdichtigkeit der Gebäude müssen wir unser Lüftungsverhalten ändern.
Notwendige umfangreiche Sanierungen im Bestand führen erst einmal zu Kosten und Belastungen für die Bewohner.

Eine Sanierung steht an

Nun soll es also losgehen und dann sehen wir so etwas in der Zeitung:



Eine gedämmte Fassade brennt.

In den letzten Jahren wurde zunehmend über die vermeintliche Gefahr von brennenden WDVS berichtet. Feuerwehrleute wurden im Fernsehen "vorgeführt" und angebliche Brand-Beispiele gezeigt.

Niemand wird die umfangreiche und oft reißerische Berichterstattung hinterfragen. Wenn man es aber doch tut, kommt man zu interessanten Ergebnissen:
Zitate der Feuerwehr bei einem Brand in Frankfurt waren gekürzt und der Inhalt der Aussagen dadurch verfälscht.

Die auf dem Foto gezeigte Fassade in Berlin ist ein Schienensystem, das nicht  fest mit der Fassade verklebt war, hinter dem sich die Flammen hochzogen, sogenannter Kamineffekt. Die hessische Energiesparaktion hat dazu einen Artikel aus der deutschen Feuerwehr-Zeitung von 06/2005 veröffentlicht:
http://www.energiesparaktion.de/downloads/Kacheln/Braende/Brandschutz_Berliner_Brandfall_2005.pdf

Weitere Informationen zu Bränden an WDVS finden Sie unter:

http://www.energiesparaktion.de/downloads/Presse/2013/PM_10_13.pdf

Die Berichterstattung ist in etwa so, als würde man aber einen Unfall mit einem LKW mit defekten Bremsen berichten und schlussfolgern, dass alle LKW lebensgefährlich sind und Unfälle haben müssen.

Aber: Eigentümer und Mieter sind verunsichert ... und so kommen erste Zweifel auf und Sanierungen ins stocken.

Dazu gibt es auch noch "Experten" die von "Plastikfolie" schreiben, wenn sie über ein Dämmsystem berichten oder die Physik "auf den Kopf stellen" und erzählen, dass gedämmte Gebäude mehr Energie verbrauchen als ungedämmte.
Es wird eine emotionale, machmal regelrecht hyterische Diskussion über Gebäudedämmung und Energieeinsparung geführt und irrational argumentiert. Warum, ist mir bis heute nicht klar ...

Oder Herstellerseiten, die Listen von Berichten über WDVS veröffentlichen:


Völlig "uneigennützig" natürlich und nur, um die Verbraucher zu warnen. Rein zufällig handelt es sich hier um einen Ziegelhersteller, der natürlich lieber seine Ziegel verkaufen möchte.


Folgen für die Mieter

Ein weiterer Aspekt kann uns die "Lust" an der Energiewende richtig vermiesen: Unsere Gesetzgebung.
Die Kosten von energetischen Sanierungen, mit denen nachhaltig Energie eingespart wird, können Eigentümer auf die Mieter umlegen, und zwar mit 11% der Kosten.
Das heißt: Die Jahreskaltmiete einer Wohnung erhöht sich um 11% der Kosten der Sanierung, berechnet anteilig nach Wohnfläche.

Was das bedeuten kann, sehen Sie auf dem nachfolgenden Bild:

Eine  Erhöhung der Monats-Kaltmiete um  € 3,- pro qm! Dass diese Erhöhung bei Heizkosten von meistens ca. € 1,- pro qm im Monat nicht durch Energieeinsparung kompensiert werden kann, ist leicht nachvollziehbar.
Die oft beschworene "warmmietenneutrale" energetische Sanierung hat hier nicht statt gefunden. Ob die Berechnung korrekt erfolgte und ohnehin notwendige Instandhaltungen ("Sowieso-Kosten") abgezogen wurden, wird derzeit geprüft.

Die Umlage von jährlich 11% der Kosten hat zur Folge, dass die Mieter nach 9 Jahren die Sanierung komplett bezahlt haben.
Aber - eine gute Planung und fachgerechte Ausführung vorausgesetzt - eine Wärmedämmung oder eine moderne Heizungsanlage halten länger als 9 Jahre.
Auch ich bin für die - zumindest teilweise - Umlage der Kosten von energetischen Sanierungen auf die Mieter, um für die Eigentümer Anreize zu schaffen, aber in einer deutlich geringeren Höhe!

Aber ... es geht doch:

Eigentlich haben wir die Notwendigkeit der Veränderung unseres Nutzerverhaltens und der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden begriffen... aber, wenn weiterhin in der wie oben gezeigten, unverantwortlichen Art und Weise berichtet wird und Kosten in de facto unbegrenzter Höhe an die Nutzer weiter gereicht werden, vergeht uns die Lust auf die Energiewende.

Dabei können wir es:


Auf dem Bild sehen Sie ein Mehrfamilienwohnhaus, an dem vor 20 Jahren ein WDVS mit einem mineralischen Oberputz angebracht wurde. Nur Teilbereiche wurden zwischenzeitlich gestrichen. Ansonsten freuen sich die Bewohner über geringen Energieverbrauch und einen gestiegenen Komfort, da es keine kalten Außenwände oder -ecken mehr  gibt.

Noch ein Beispiel möchte ich Ihnen zeigen:


Hierbei handelt es sich um einen EFH-Neubau aus dem Jahr 2010, das im KfW70-Standard errichtet wurde. Der Energieverbrauch des Gebäudes beträgt also 70% des nach ENEV zulässigen. Wichtig ist  zu erwähnen, dass es sich um eine Haus "von der Stange" handelt, ein Fertighaus eines bekannten Anbieters; die Eigentümer haben sich lediglich entschieden, zusätzlich zur Dämmung zwischen den Ständern der Außenwände, ein WDVS aufbringen zu lassen.
Für ca. 130 qm Wohnfläche zahlen die Bewohner nur ca. € 600,- Gas pro Jahr; und dies, obwohl die geplante solare Warmwassererwärmung noch nicht einmal realisiert wurde.


Wenn Sie mehr wissen oder Energie einsparen möchten, rufen Sie mich gerne an oder schreiben Sie mir.

Ich möchte am Ende dieses Posts noch einmal darauf hinweisen, dass ich von keinem Anbieter oder Hersteller in irgend einer Art und Weise abhängig bin. Meine Ausführungen geben meine persönliche Meinung und Überzeugung aus 20-jähriger Tätigkeit in der Branche wieder.

Ihr Götz Autenrieth


www.goetzautenrieth.de