Sonntag, 13. November 2011

Schimmel in der Wohnung








Diese Fotos habe ich vor ein paar Tagen bei Kunden aufgenommen.

Gut zu sehen ist, wie der Schimmel sich ausbreitet, erst ein weißer Flaum, der kaum zu sehen ist und dann die Verfärbungen.
Die Tapete und die meisten Wandfarben, die wir verwenden sind als organische Materialien ein idealer Nährboden für den Schimmel.

Aber wie entsteht er?

Alle kennen das: beschlagene Brillengläser, wenn man im Winter einen Raum betritt. Was passiert da und warum?
Da die Gläser noch kalt sind, die Luft aber im Raum deutlich wärmer, schlägt sich die Luftfeuchtigkeit als Kondensat auf den Gläsern nieder.
Genau so verhält es sich mit den Außenwänden in der Wohnung: Sind sie zu kalt und ist die Luftfeuchtigkeit im Raum hoch, schlägt sie sich an der Oberfläche nieder. Wenn das häufig oder konstant passiert, entsteht Schimmel.
Das Entscheidende ist also die Temperatur der Wand

Der Vergleich mit der Brille hilft hier wieder: Ist man erst mal ein paar Minuten im Raum und die Gläser sind genauso warm wie die Luft, beschlagen sie nicht mehr.

Die Wand auf dem Foto hatte bei meiner Messung eine Temperatur von nur ca. 16°C, bei einer Außentemperatur von ca. 2°C und einer Raumtemperatur von 20 - 21°!
Aus Tabellen kann man entnehmen, ab welcher Luftfeuchtigkeit bei diesen Gegebenheiten Kondensat ausfällt.
Im genannten Fall ist dies bereits bei gut 60% der Fall. Und die sind schnell erreicht z.B. in der Küche, man kann ja nicht ständig beim Kochen oder Geschirr spülen das Fenster geöffnet lassen.

Außerdem errechnet sich aus den gemessenen Werten ein verheerender U-Wert der Außenwand von über 1,6 W/m²K. Dieser Wert ist schlechter als der von neuen Fenstern. So kommt es, dass Kondensat nicht mehr wie früher an den Scheiben ausfällt, sondern an der Wand.
Somit ist diese Küche leider ein "gutes" Beispiel für eine für eine nicht durchdachte Sanierung. Hier wurden nur die Fenster ausgetauscht und die Fassade hübsch neu gestrichen.

Dabei ist gerade in Gebäuden wie diesen (50er bis 70er Jahre) eine Dämmung der Fassade dringend zu empfehlen, da die sehr schlechten U-Werte für hohe Heizkosten sorgen.
Bei weiter steigenden Energiepreisen wird das zukünftig ein großes Problem werden.

Nachtrag 19.02.2014

Nachdem die Mieter die Tapeten entfernt, die Küche gründlich gereinigt und neu gestrichen haben, wuchsen bereits nach einigen Wochen wieder Schimmelpilze an der Außenwand der Küche.
Da mittlerweile bekannt wurde, dass auch in anderen Wohnungen des Hauses Probleme mit Schimmelpilzen bestehen, sind die Mieter ausgezogen.
Sie haben sich für ein saniertes und gut gedämmtes Mehrfamilienhaus in der Nähe entschieden.


Fragen Sie mich, wie Sie Schimmel vermeiden können und was bei Schimmelpilzbefall tun können: www.goetzautenrieth.de

Dienstag, 8. November 2011

Dämmung der obersten Geschossdecke, EnEV 2009



Neulich haben mir Kunden eine Frage gestellt:

Müssen wir unsere oberste Geschossdecke bis Ende 2011 nach den Vorschriften der Energieeinsparverordnung EnEV 2009 dämmen?

Man sollte meinen die Antwort sei ganz einfach ...Ist sie erst einmal auch. 

Die EnEV 2009 schreibt vor, dass ungedämmte und zugängliche oberste Geschossdecken zu unbeheizten Dachböden bis 31.12.2011 mit einer Dämmung nachgerüstet werden müssen. Ungedämmt heißt laut der 15. Staffel der Auslegungsfragen zur EnEV, dass die Decke nicht den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 erfüllt. Dort ist ein u-Wert von höchstens 0,9 genannt.

Wer schon einmal in einer obersten Etage gewohnt hat, kann aber die Verpflichtung zur Nachrüstung leicht nachvollziehen. Wenn nicht (oder nur wenig) gedämmt ist, kann man im Winter heizen wie man will, so richtig warm wird es nie.

Daher ist diese Vorschrift der EnEV auch ausdrücklich zu begrüßen. 

Vor einigen Jahren habe ich das selbst ausprobiert:
Ich wohnte in einer Altbauwohnung über der sich der nicht ausgebaute und nicht gedämmte Dachboden befand. Im Winter glühten die Heizkörper, aber irgendwie zog es und es waren kaum 20°C zu erreichen.
Da ich noch einige Dämmplatten übrig hatte, habe ich diese einfach über meinem Wohnzimmer und dem Bad ausgelegt und mit Spanplatten lose belegt. Für eine Mietwohnung war das ja schon genug Aufwand...
Und siehe da: Problemlos erreichte ich auch bei Frost 21°C oder mehr, die Heizkörper wurden nicht mehr so heiß und es zog nicht mehr!

Ein ganz anderes Wohnen war das.

Zurück zur Frage meiner Kunden: Muss Dämmung durch die Eigentümer nachgerüstet werden?

Im Prinzip ja, aber die Vorschriften der EnEV gelten unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit der Massnahme. Das heißt: Ist innerhalb eines "angemessenen" Zeitraums keine Amortisation der Dämmmassnahme zu erwarten, muss nicht gedämmt werden.
Was angemessen bedeutet ist meines Wissens noch nicht abschließend geklärt.

Und damit es noch ein wenig schwieriger wird, gibt es jetzt auch noch eine Stellungnahme der "Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferrenz". In dieser Stellungnahme steht, dass bei Holzbalkendecken und bei ab 1969 errichteten Häusern davon ausgegangen werden kann, dass der Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 erfüllt ist.

Wie die Kommission darauf kommt ist mir völlig unklar.

Diese Stellungnahme ist ein katastrophales Signal. Die Bundesregierung führt damit den Sinn der EnEV ad absurdum.

Wozu brauche ich Verordnungen, wenn ich mich nicht daran halten muss? Wie finde ich heraus, ob die Decke in meinem Haus die DIN 4108 erfüllt?

Da ich selbst viele Jahre Eigentümer war, liegt mir eine Bevormundung und "Gängelung" - wie es in den Medien immer mal hieß - der Vermieter fern; aber gerade diese meist nicht sehr kostenintensive und wirkungsvolle Massnahme nicht vorzuschreiben, ist für mich wirklich eine Bankrotterklärung der Politik.

Gerade die Dachdämmung ist ein wichtiger Teil der energetischen Gebäudesanierung. Auf Grund des großen Anteils des Daches an der Hüllfäche eines Gebäudes, entweicht ein großer Teil der Wärme durch die oberste Geschossdecke. Mit einer Dämmung nach EnEV läßt sich der Energieverbrauch eines Gebäudes um bis zu 20 % senken.

www.goetzautenrieth.de